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Belgien ein vergessener Nachbar

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Das ist erstaunlich, wo doch den Belgiern eine ungewöhnlich materialistische Haltung und besondere Gleichgültigkeit gegenüber religiösen Fragen nachgesagt werden muss. Den Belgiern, die sich als Flamen, Wallonen und Deutsche das Nachbarland gezwungenermaßen teilen, gilt vielfach das Eigenheim als höchstes Gut im Leben. Religion halten nur 15 Prozent aller Belgier überhaupt für wichtig, auch wenn sich 65 Prozent katholisch nennen. Kennzeichnend für manchen sind jedoch abergläubische Folklore und religionsvermischende Ansichten, die man im Supermarktstil nach eigenem Belieben nimmt und wieder zurücklegt. Auf Glaube an weiße Magie, Astrologie und Reinkarnation unter der belgischen Bevölkerung zu stoßen, ist nichts Außergewöhnliches.


Evangelischer Glaube war in Belgien bislang kaum zu finden. Einst hatte die Welle katholischer Gegenreformation dieses Land erfolgreich überrollt und keine 10 kleinen protestantischen Gemeinden übriggelassen. Neue Gemeinden und neues christliches Grundwissen haben sich bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhundert nur wenig bilden können. Das Lesen der Bibel war bis zu dieser Zeit offiziell verboten, und Protestanten galten offiziell als Irrlehrer. Dass es schließlich zu einem missionarischen Erfolg kam, lag - vordergründig gesehen - an kleineren und größeren missionarischen Einsätzen, aber auch unzähligen Einzelgesprächen bei bewusst gesuchten Kontakten. So konnte gezielt ein kleiner Teil der 10 Millionen Belgier mit dem Evangelium erreicht werden, was für viele häufig eine ganz neue und vorher nie gehörte Botschaft darstellte. Und für den größten Teil der Bevölkerung scheint es dies auch bis heute zu sein und macht unser Nachbarland tatsächlich zu einem herausfordernden Missionsfeld.


Viele Jahre lang ist die geistliche Not Belgiens und die geringe Zahl der Evangelikalen von gut 0,3 Prozent der Bevölkerung übersehen worden. Die Folge: Im Vergleich zu vielen anderen offenen Missionsfeldern und fernen Ländern hat Belgien mit am wenigsten missionarische Anstrengungen erfahren. Heute ist der Anteil islamischer Anhänger durch Zuzug 10mal größer als die Gruppe evangelikaler und missionarisch orientierter Christen, die sich fast ausschließlich aus den Mitgliedern der Belgischen Evangelischen Mission, der freien evangelischen Gemeinden und der Christengemeenten zusammensetzen.


Ob durch Förderung einheimischer Mitarbeiter oder Entsendung von Missionaren in ihr Land - in jedem Fall wären die belgischen Christen froh, von den missionarischen Bemühungen anderer Länder nicht länger vergessen zu werden und durch die europäischen Nachbarn Hilfe zu finden, das Evangelium unter der von Gott nicht vergessenen belgischen Nation immer mehr verbreiten zu können.