Die WEM arbeitet in:
In diesen Ländern unterstützt
sie einheimische Missionare
bei verschiedenen Aufgaben.
J. Pfründer-Missionsleiter
Am frühen Nachmittag des 9. Septembers erreiche ich in Begleitung von Michael Menne von „Hilfe für Brüder“ (Stuttgart) mit dem Flugzeug Alicante an der Costa Blanca. Missionarin Anna Langos holt uns am Flughafen ab und fährt mit uns etwa 30 Minuten zum Haus Betania in Campello, das zu Alicante gehört. Betania ist ein Haus für Christen, die Urlaub machen wollen, sowohl für Einzel- als auch Gruppenreisende, mit Selbstversorgung. Anna Langos ist für die geistliche Betreuung, für die Koordination und Organisation des Hauses zuständig. Zum Personal gehören Pepe (aus Mittelamerika), Gärtner und Hausmeister, und Teresa (aus Peru), die für die Hausarbeit zuständig ist. Daneben arbeitet Anna in folgenden Bereichen: Seelsorge, Seminare über verschiedene Themen, Radioarbeit, Kinder-, Jugend- und Familienfreizeiten, Missionsarbeit unter Deutschen, Hauskreise etc.
Am Nachmittag besuchen wir das Haus Refugio, ebenfalls in Campello. Dieses Haus dient Missionaren und Pastoren mit Burnout-Syndrom als Erholungsort. Es ist ein ehemaliges Wohnhaus, das durch eine Schenkung für den genannten Zweck zur Verfügung gestellt wurde. Im Haus Refugio wohnen José Luis (Spanier) und Carol, seine Frau (Nordamerikanerin), sowie Kathy, die kranke Schwester von Carol.
José Luis ist Missionar, Dichter und Musiker. Er ist fast vollständig blind und nimmt dennoch viele Dienste als Prediger und Musiker wahr. Er ist eine imposante Persönlichkeit, die eine wichtige Stellung im öffentlichen Leben einnimmt. So hat das Sinfonieorchester von Valencia sein Werk „Ungarische Nächte“ aufgeführt. Bei der Premiere wurde er öffentlich geehrt.
Am folgenden Tag finden Gespräche mit deutschen Christen aus der näheren und weiteren Umgebung statt, die in Spanien leben und missionarisch tätig sind.
Am Donnerstag fahren wir zwei Stunden mit dem Zug nach Denia. Denia hat etwa 50.000 Einwohner. Davon sind 15.000 Deutsche. Es gibt eine ganze Reihe von deutschen Supermärkten, Bäckereien und Restaurants. Denia wurde 300 v.Chr. von den Phöniziern gegründet und ist die zweitälteste, ständig besiedelte Stadt Spaniens.
Wir treffen Jorge Pastor, den Leiter der christlichen Schule Alfa & Omega und der örtlichen Baptistengemeinde. Dabei erfahren wir, dass die Baptistengemeinde 250 Mitglieder und etwa 400 Gottesdienstbesucher hat. Jedes Jahr kommen weitere 40 Mitglieder dazu. 90 % der Mitglieder und Besucher sind Spanier. Das ist ein bemerkenswerter Anteil, der weit über dem Durchschnitt der evangelischen Gemeinden liegt. In Spanien gibt es etwa 1.000.000 evangelische Christen. Davon sind allerdings nur etwa 100.000 Spanier. Die übrigen 900.000 sind hauptsächlich Lateinamerikaner, aber auch Afrikaner, Asiaten und Menschen aus anderen europäischen Ländern, besonders aus Rumänien. Hinter der Gemeinde und Schule steht eine lange, spannende Geschichte, über die wir separat in diesem Heft berichten.
Noch ist A & O die einzige evangelische Privatschule in Spanien, doch es gibt drei weitere Schulprojekte in verschiedenen Städten, ausgehend von evangelischen Gemeinden. Jorge Pastor berät und ermutigt die betreffenden Gemeinden. In Denia selbst hat die Schule einen guten Ruf und einen positiven Einfluss.
Wir haben einen guten Kontakt zu den Volontären, die in der Schule mitarbeiten. Drei von ihnen wurden über die WEST-EUROPA-MISSION vermittelt. Wir nehmen die Mahlzeiten mit ihnen ein. Ich halte am Freitag und am Montag die Andacht für sie in Spanisch.
Jorge Pastor führt uns durch das Schulgelände, zeigt uns alle Klassenräume, wo er die Lehrer und Schüler mit Namen begrüßt. Er kennt nicht nur die 400 Schüler namentlich, sondern auch deren Eltern. Auch fast alle übrigen Räume zeigt er uns und erzählt jedes Mal eine Geschichte dazu. Nach dem Mittagessen lädt Jorge uns ein, ihn in das Studio eines Provinzradiosenders zu begleiten, wo er ein paar Folgen seiner sonntäglichen, fünfminütigen Bibelbetrachtungen aufnehmen will. Wir sind erstaunt, dass wir mit ins Aufnahmestudio dürfen. Nachdem zwei Sendungen aufgenommen worden sind, meint Jorge, dass er jetzt ein Interview mit mir machen möchte, das ebenfalls im Sonntagsprogramm gesendet werden würde. Etwa 60.000 Menschen können diese Sendungen hören.
Nach dem Interview gehen wir in die nahegelegene Kirche. Beim Betreten der Kirche kommt uns der Priester entgegen. Jorge und er begrüßen sich herzlich. Jorge predigt immer wieder in der katholischen Kirche klar über das Evangelium von Jesus Christus.
Später besuchen wir den Friedhof von Denia. Früher waren die Eingänge für die Evangelischen und Katholischen getrennt. Heute gibt es einen gemeinsamen Eingang. Mitten im Friedhof steht eine weiße Mauer mit vielen Löchern. Hier wurden im Bürgerkrieg und auch noch danach viele Menschen von den Soldaten Francos hingerichtet und liegen gelassen. Die Evangelischen kamen dann in der Nacht, begruben die Toten und führten die schwer verwundeten (nicht alle starben an den Schussverletzungen) zu ihren Familien. Jorge kennt viele der Verstorbenen und erzählt interessante Geschichten über sie während wir an den „Etagengräbern“ vorbeigehen.
Am Sonntag um 10.30 Uhr findet eine Gebetsversammlung im Gebetsgarten statt. Um 11.30 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Kirche auf dem Gelände von Alfa & Omega. Etwa 12 neue Mitglieder sowie die 17 neuen Volontäre werden der Gemeinde vorgestellt und gesegnet. Ich darf ebenfalls ein Grußwort sagen. Das führt dazu, dass mich nach dem Gottesdienst viele Menschen ansprechen, unter ihnen auch Chilenen und Deutsche.
Am Montag fahre ich mit dem Zug zurück nach Alicante. Am Dienstagfrüh fliege ich nach Deutschland zurück.
Zur Arbeit von Alfa & Omega bietet die WEST-EUROPA-MISSION eine halbstündige Power Point Präsentation an, die ein Missionsvertreter auf Anfrage gerne in Gemeinden und Hauskreisen vorführt.