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Wer braucht schon einen Glauben?

Wenn ich früher christliche Aufkleber sah, habe ich desinteressiert abgewinkt und über die Menschen gelächelt, die einen Glauben nötig hatten. In meinen Augen waren das schwache Menschen, die ihre Probleme nicht allein lösen konnten, deshalb einen Gott brauchten und sich auf ein besseres Leben im Jenseits vertrösten ließen. Mir sollte so etwas nicht passieren. Ich war jung, abenteuerlustig und genoss das Leben, reiste in der Welt herum, traf mich mit Freunden und tat, was mir Spaß machte. Ich las viel, unter anderem psychologische und philosophische Werke. Besonders Sartre und Camus sprachen mich an. Ihr Denken weckte mein Interesse!


Ich erfülle mir meine Träume selbst!

Die Jahre vergingen, und ich erfüllte mir meine Träume. Höhepunkt in dieser Kette war eine dreimonatige Reise nach Australien. Als ich nach Deutschland zurückkam, war ich an einem emotionellen Tiefpunkt angekommen. Ich hatte viele Länder bereist, die mich interessierten, aber es fiel mir schwer, ein sich lohnendes Ziel für mein Leben zu definieren. In dieser Zeit las ich zum wiederholten Mal den "Mythos von Sisyphus" von Camus und kaufte mir eine Biographie über den Autor.


Was ist ein Leben ohne Hoffnung?

Zwei Aussagen prägten sich mir mehr und mehr ein. In dem genannten Buch schrieb Camus: "Wer keine Hoffnung hat, der hat auch keine Zukunft." Sein klares Bekenntnis lautete, dass er selbst keine Hoffnung hatte und dass mit dem Tod alles aus sei! In der Biographie wird gesagt, dass Camus bei einem nie ganz geklärten Verkehrsunfall ums Leben kam. Manche sprechen auch von einem Selbstmord weil Camus ein Mensch ohne Hoffnung war. Ich konnte und wollte mich mit dieser Schlussfolgerung nicht zufrieden geben. Alles in mir sträubte sich dagegen, dass mein Leben, die Existenz meiner Persönlichkeit, sich auf ein paar lächerlich kurze Jahre auf der Erde beschränken sollte. All die Sehnsüchte in mir, die auch ein Leben von hundert Jahren nicht erfüllen könnte, waren sie nur Schall und Rauch? Können die Begrenzungen, denen ein sterblicher Körper unterliegt und die uns in unserer Entfaltung täglich behindern, niemals überwunden werden?


Gibt es ein Jenseits?

Tief in mir spürte ich, dass es da noch viel mehr geben musste, als das, was ich mit meinem Verstand erfassen konnte. Als Mensch bin ich mit einer einmaligen Persönlichkeit ausgestattet. Wie ist es möglich, dass ich als denkender und fühlender Mensch mit einem Hunger nach ewigem Leben aus dem Nichts erscheine und auf ewig wieder im Nichts verschwinde? Gibt es vielleicht doch eine jenseitige Welt, aus der wir Menschen kommen und wohin wir nach unserem Tod wieder gehen? Gibt es eine höhere Macht, einen Gott, der mich gemacht hat?


Und wenn es Gott doch gibt?

Der Gedanke an Gott erschreckte und befreite mich zugleich. Er befreite mich von der Idee einer Existenz in Schwachheit und Begrenztheit, wie es das menschliche Leben nun einmal ist. Aber er erschreckte mich auch, weil Gott als real zu akzeptieren, für mich gewaltige Konsequenzen zur Folge haben würde. Plötzlich wären ich und meine Wünsche nicht mehr Mittelpunkt meines Lebens, sondern ein allmächtiger Gott, der mich erschaffen hat und einen zentralen Platz in meinem Leben einnehmen möchte. Ich ging durch ein Wechselbad der Gefühle. Mit Gott könnte ich endlich meine irdischen Grenzen sprengen, hätte vielleicht sogar ewiges Leben in einer anderen Welt, von der ich bisher nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Doch wenn es diesen Gott gab, dann wollte er sicher auch etwas von mir. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Leben mit Gott nur Vorteile für mich haben würde. Sicher würde er auch einiges von mir fordern.


Wenn es Gott gibt, habe ich schlechte Karten

In den folgenden zwei Jahren passierten viele ungewöhnliche Dinge, mit denen ich schwer fertig wurde. Es hatte den Anschein, als ob dieser Gott mir zeigen wollte, wo meine Grenzen lagen. Ich kam mit Menschen zusammen, die mir von Jesus Christus erzählten. Sie machten mir klar, dass ich nicht zu Gott, dem Vater von Jesus Christus, kommen könne, wie ich bin, weil er absolut rein und heilig sei. Meine schlechten Gedanken, Worte und Taten würden mich von ihm trennen.


Gibt es einen Weg zu Gott?

Dann erklärten sie mir, dass Jesus auch für meine Schuld am Kreuz gestorben sei. Wenn ich dieses Opfer für mich annähme, wären meine Sünden vergeben und ich könne eine persönliche Beziehung zu Gott, dem Vater von Jesus Christus, aufnehmen. Nach vielen Gesprächen und durch das Lesen der Bibel, leuchtete mir das mehr und mehr ein. Schließlich sagte ich: "O.K.! Wenn ich nichts anderes tun muss als diesen Sachverhalt zu akzeptieren, dann versuche ich es." Natürlich wusste ich, dass es in meinem Leben viel zu bereinigen gab. Da war nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich ging ja auch kein Risiko ein. Wenn man Sündenvergebung geschenkt bekommt, warum sollte man das nicht annehmen?


Mich Gott unterordnen? Niemals!

Schon bald kapierte ich, dass mich diese Gedanken keinen Schritt weiter brachten. Da fehlte etwas Entscheidendes. Christus wollte mir nicht nur meine Schuld vergeben, er wollte auch der Herr in meinem Leben sein. Das bedeutete aber, dass ich mich ihm ganz unterordnen musste. Dieser Gedanke war für mich unerträglich. Ich war nicht bereit, mein Leben von jemand anderem und sei es Gott selbst, bestimmen zu lassen. Beim genauen Analysieren meines Lebens kam ich allerdings darauf, dass es viele Dinge gab, die über mich bestimmten: Beruf, Geld, Gesundheit, Freundschaften, die Meinung anderer, die Medien und vieles mehr. Was bestimmte ich eigentlich noch selbst?


Die Kapitulation

Dann kam der Tag, an dem ich es mit Jesus versuchen wollte. Ich sagte mit allem Ernst und fest entschlossen etwa folgende Worte: "Wenn es Dich gibt, Jesus Christus, Gottes Sohn, und wenn Du für meine Schuld am Kreuz gestorben bist, dann will ich Dir gehören. Mach mit meinem Leben was Du willst!"


Ein neues Leben

Kaum waren die Worte gesprochen, als ich einen tiefen inneren Frieden spürte und plötzlich mit großer Gewissheit wusste, dass alles wahr ist, was die Christen mir gesagt hatten. In den folgenden Monaten hatte ich tiefgreifende Erlebnisse mit Gott. Ich bekam mit meiner Frau eine Wohnung, für die es über 50 Bewerber gab. Ich bekam eine Ausbildungsstelle in einer Firma, die niemand ausbilden wollte. Der Chef sagte mir später: "Ich musste dich einfach nehmen, obwohl ich gar nicht wollte." Nach der erwähnten Ausbildung studierte ich noch Theologie und ging danach mit meiner Familie für 14 Jahre in den Missionsdienst nach Südamerika. Ich besuchte beruflich verschiedene Länder, aber mit dem Unterschied, dass ich früher das Reisegeld mühsam zusammensparen musste, während ich jetzt dienstlich unterwegs war. Natürlich geht nicht alles in meinem neuen Leben mit Jesus Christus immer glatt. Doch Krisen und Probleme helfen mir, mich besser kennen zu lernen und mein Vertrauen stärker auf Gott zu setzen.


Das spannendste und interessanteste Buch der Welt

Das Größte für mich war aber, dass ich plötzlich verstand, dass die Bibel Gottes Wort ist. Ich fand unglaubliche Informationen darin über Dinge, die sich kein Mensch ausdenken kann. Unter anderem wird darin eine Welt beschrieben, in der die Menschen, die sich Jesus anvertrauen, nach ihrem irdischen Tod ohne Not und Probleme ewig leben werden. Der Gedanke an Camus macht mich traurig. Wie sehr hätte ich es ihm gewünscht, dass er, ebenso wie ich, durch Jesus Christus aus der Hoffnungslosigkeit befreit und die Gewissheit auf eine ewige und herrliche Zukunft gefunden hätte. Immer wieder treffe ich Menschen, die mir einreden wollen, dass mein Glaube Einbildung sei. Das habe ich früher auch gedacht. Aber diese Überzeugung hat mich eben nicht glücklich gemacht. Heute weiß ich, dass es keine Einbildung ist: Jesus Christus lebt! Versuche es doch einfach mal mit dem Gottessohn! Du hast nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen!


Johannes Pfründer


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